Wildzaun richtig aufbauen und welche Werkzeuge Sie brauchen
Wildzaun aufbauen und richtig spannen: Anleitung Schritt für Schritt
Wer einen Wildzaun aufbauen will, entscheidet über drei Dinge: den Verlauf der Trasse, den Sitz der Pfosten und die Spannung des Geflechts. Zwei Fehler wiederholen sich dabei besonders häufig. Ohne Einschlagschutz staucht der Pfostenkopf, und die Haken lassen sich danach nicht mehr schließen. Und wer den Wildzaun nur von Hand spannt, hat nach dem ersten Winter eine durchhängende Bahn. Diese Anleitung führt Sie durch jeden Arbeitsschritt, vom Markierungseisen bis zur letzten Verstrebung.
Wildzaun, Forstzaun oder Wildschutzzaun?
Die drei Bezeichnungen meinen dasselbe Knotengeflecht in unterschiedlicher Verwendung. Ein Forstzaun schützt junge Kulturen vor Verbiss und Fegeschäden. Ein Wildschutzzaun sichert Weiden und Gehege und hält Tiere von befahrenen Straßen fern. Im Garten grenzt derselbe Zaun das Grundstück gegen Rehe und Wildschweine ab.
Für den Aufbau spielt der Verwendungszweck keine Rolle. Ob Sie einen Forstzaun bauen, einen Wildschutzzaun aufstellen oder einen Wildzaun um den Garten setzen: Wer einen Forstzaun aufbauen möchte, geht dabei genauso vor. Die Arbeitsschritte sind identisch, unterschiedlich sind allein Höhe und Ausführung des Geflechts. Auch die Bauanleitung für einen Wildgatterzaun folgt derselben Reihenfolge.
Trasse abstecken und Material berechnen
Markieren Sie Anfang und Ende der Strecke mit Eisen oder Holzpflöcken und spannen Sie eine Richtschnur über den gesamten Trassenverlauf. An dieser Linie richten Sie jeden Pfosten aus, wenn Sie den Wildzaun aufbauen. Legen Sie im selben Schritt fest, wo die Tür sitzt. Ein Durchgang lässt sich nachträglich nur mit erheblichem Aufwand einbauen.
Halten Sie drei bis vier Meter Abstand zu Wegen. Zu morschen Bäumen im Nachbarbestand halten Sie mehr, denn ein Sturmwurf drückt den Wildzaun nieder und öffnet dem Wild ein Einfalltor. Zäunen Sie außerdem nicht mehr als zwei bis drei Hektar ein. Auf größeren Flächen bleibt der Zaun auf Dauer nicht dicht, und eingedrungenes Wild finden Sie kaum wieder heraus.
Aus dem Trassenverlauf ergibt sich der Materialbedarf. Eine Rolle Knotengeflecht fasst 50 Meter. Die Zahl der Pfosten errechnen Sie aus der Streckenlänge geteilt durch den geplanten Abstand, plus einen Pfosten für das Streckenende. Rechnen Sie die zusätzlichen Profile für die Streben dazu. Welche Pfostenlänge zu welcher Zaunhöhe gehört und welcher Abstand zwischen den Zaunpfosten sinnvoll ist, haben wir gesondert zusammengestellt. Beim Z-Profil liegt der Richtwert bei 2,5 bis 3 Metern.
Welche Höhe braucht der Wildzaun?
Die Zaunhöhe richtet sich danach, welches Tier der Zaun zurückhalten soll. Beim Forstzaun halten Sie Rehe und Rotwild von der Kultur fern. Bei einem Gehege oder einer Weide zäunen Sie umgekehrt ein und richten die Höhe nach den Tieren im Inneren. In beiden Fällen entscheidet die Sprunghöhe der stärksten Art, die vorkommt.
- Hase und Kaninchen: 80 cm, im Bodenbereich mit engen Maschen
- Schwarzwild: 120 bis 125 cm in schwerer Ausführung
- Rehwild: 150 cm
- Rotwild: 180 bis 200 cm
Bei Rotwild führt eine zu niedrige Wahl direkt zum Schaden: Ein Hirsch überspringt 150 Zentimeter ohne nennenswerten Anlauf. Das passende Knotengeflecht gibt es in allen vier Höhen, jeweils in einer leichten und einer schweren Ausführung. Was eine Angabe wie 150/13/15 bedeutet, also Zaunhöhe, Anzahl der Längsdrähte und deren Abstand, erklären wir an anderer Stelle.
Material und Werkzeug
Legen Sie alles bereit, bevor Sie den Wildzaun aufbauen. Auf einer langen Strecke kostet ein fehlendes Werkzeug mehr Zeit als jeder andere Fehler.
- Knotengeflecht in der gewählten Höhe und Ausführung
- Z-Profil-Zaunpfosten, dazu zusätzliche Profile für die Streben
- Zaunramme oder Vorschlaghammer, dazu ein Einschlagschutz
- Markierungseisen, Richtschnur und Wasserwaage
- Spanndraht, Drahtspanner und Drahtverbinder
- Krampen, Schraubenschlüssel und Zange
- W-Profil Zaunanker für die Unterkante
- Tür, falls die Fläche begehbar bleiben soll
Arbeiten Sie mindestens zu zweit. Eine Rolle wiegt je nach Höhe 30 bis 50 Kilogramm, und beim Spannen bedienen zwei Personen die beiden Enden der Strecke gleichzeitig. Tragen Sie Handschuhe und feste Schuhe, die Drahtenden schneiden. Wer einen Wildzaun selber bauen möchte, ohne die Teile einzeln zusammenzustellen, greift zum Komplettset, in dem Geflecht, Pfosten und Spanndraht aufeinander abgestimmt sind.
Z-Profil-Zaunpfosten einschlagen
Die Z-Profil-Zaunpfosten bestehen aus feuerverzinktem Bandstahl und tragen eingestanzte Haken im Abstand von zehn Zentimetern. Jeder vierte bis fünfte Haken zeigt nach unten und verhindert, dass sich das Geflecht aushängt. Die Pfosten für den Wildzaun setzen Sie deshalb ohne Fundament und ohne Schrauben, das Profil verkeilt sich beim Einschlagen im Erdreich.
Setzen Sie das erste Profil an der Richtschnur an und schlagen Sie es mindestens 50 Zentimeter tief ein. Eine Zaunramme nimmt Ihnen dabei Kraft ab, auf kurzen Strecken genügt ein Vorschlaghammer. Verwenden Sie in beiden Fällen einen Einschlagschutz auf dem Pfostenkopf. Ohne diese Kappe verformt der Schlag das obere Profilende, und die Haken lassen sich danach nicht mehr sauber zudrücken.
Prüfen Sie alle paar Pfosten mit der Wasserwaage, ob das Profil lotrecht steht. Ein schief eingeschlagener Pfahl zieht die gesamte Bahn aus der Flucht, und beim Spannen verstärkt sich die Abweichung. In hartem oder steinigem Untergrund bohren Sie mit einem Erdbohrer vor, bevor Sie den Wildzaun Pfosten für Pfosten weiter aufbauen. Wie Sie das Geflecht anschließend am Profil und an Holzpfosten befestigen, beschreiben wir gesondert.
Ecken und Endpunkte abstreben
Anfangs-, End- und Eckpfosten nehmen die gesamte Zuglast auf. Setzen Sie diese Pfosten tiefer als die Zwischenpfähle und streben Sie sie ab. Ohne Abstrebung wandern die Endpunkte über die Jahre nach innen, und der Wildzaun verliert die Spannung, die Sie beim Aufbauen erzeugt haben.
Schlagen Sie für die Strebe ein zusätzliches Z-Profil diagonal im 45-Grad-Winkel ein und setzen Sie es am oberen Ende des stehenden Pfostens an. Passende Eck- und Längsverstrebungen arbeiten mit Schelle und Kappe, Sie müssen also nichts bohren. Gibt der Boden wenig Halt, verankern Sie den Fuß der Strebe in einem Erdteller. Auf langen Geraden setzen Sie alle 30 bis 50 Meter eine Mittelabstrebung.
Knotengeflecht einhängen
Rollen Sie die Bahn entlang der Pfostenreihe aus. Der unterste Draht liegt dabei auf der markierten Linie, und die engeren Maschen zeigen nach unten, dort wo Kleintiere durchschlüpfen würden.
Am Anfangspfosten fixieren Sie das Geflecht, an den Zwischenpfosten hängen Sie die Horizontaldrähte in die Haken. Einen Zaun aus Knotengeflecht aufbauen dauert pro Pfosten weniger als eine Minute, sobald die Bahn unter Spannung steht. Genau deshalb hängen Sie zuerst nur ein und drücken die Haken erst zu, wenn Sie fertig gespannt haben. Wer das Knotengeflecht vorher montiert, muss beim Nachspannen jeden Haken erneut öffnen.
Wildzaun richtig spannen
Von Hand allein bleibt keine Bahn straff. Einen Wildzaun spannen heißt, mit Draht zu arbeiten statt mit Muskelkraft. Der Ablauf bleibt derselbe, ob Sie einen Forstzaun spannen, einen Weidezaun spannen oder einen Wildschutzzaun aufbauen.
Befestigen Sie am Anfangspfosten an jedem Horizontaldraht einen Drahtspanner. Führen Sie den Draht durch die äußere und die innere Öffnung und biegen Sie ihn einmal um, damit er nicht zurückrutscht. Drehen Sie dann die innere Spule, bis der Draht fest sitzt. Am Endpfosten wiederholen Sie diesen Vorgang.
Anschließend bauen Sie die Spannung auf. Drehen Sie die Spanner abwechselnd am Anfang und am Ende der Strecke, damit die Kraft gleichmäßig aufläuft. Ziehen Sie zusätzlich oben und unten je einen Spanndraht durch die Maschen, abwechselnd links und rechts geführt. Bei Ausführungen ab 180 Zentimetern kommt ein dritter Draht in die Mitte. Auch diesen Spanndraht spannen Sie über Drahtspanner.
Bevor Sie den Zaun fertig aufbauen und die volle Spannung erzeugen, gehen Sie die Strecke ab und prüfen jeden Pfosten. Hat sich das Knotengeflecht in einem Profil verhakt und Sie spannen weiter, verbiegen Sie den Pfosten. Ob ein Spanndraht in jedem Fall nötig ist, klären wir im Beitrag zum Spanndraht am Wildzaun.
Zwei Rollen verbinden
Ab 50 Metern stoßen zwei Bahnen aneinander. Überlappen Sie ein Feld und verbinden Sie die Überstände Draht für Draht. Mit Drahtspannern können Sie die Verbindung später nachspannen. Drahtverbinder gehen schneller, dafür entfällt das Nachspannen. Wer eine lange Strecke aufbaut, spart mit einer Zaunringzange spürbar Zeit.
Unterkante sichern und Tür einbauen
Wildschweine überspringen den Wildzaun nicht, sie heben ihn an. Schlagen Sie deshalb in regelmäßigen Abständen W-Profil Zaunanker ein. Deren Haken legen sich beim Einschlagen auf den untersten Draht und binden die Bahn an den Boden. Wer den Wildzaun an einem Wildwechsel oder in einer Senke aufbaut, setzt die Anker enger. Die Bodenfreiheit halten Sie über die gesamte Strecke so gering wie möglich.
Die Tür hängen Sie ein, indem Sie die überstehenden Enden des Geflechts in die Ösen führen und den Draht festdrehen. Führen Sie die Enden vorher durch einen Drahtspanner, sitzt der Übergang gleichmäßiger.
Am Hang aufbauen
Das flexible Geflecht folgt dem Gefälle. Sie können einen Wildschutzzaun deshalb auch im Steilgelände aufbauen, und für einen Forstzaun am Hang gilt dasselbe. Die Profile schlagen Sie wie in der Ebene 50 Zentimeter tief ein. Achten Sie im Gefälle besonders auf zwei Punkte: Die Bahn muss straff bleiben, und die Unterkante muss am Boden anliegen. Wild nutzt genau dort jede Lücke.
Kontrolle und Instandsetzung
Haben Sie den Wildzaun sauber aufgebaut, beschränkt sich die Arbeit danach auf die Kontrolle. Gehen Sie die Strecke regelmäßig ab und prüfen Sie drei Dinge: den Sitz der Pfosten, die Spannung der Bahn und die Unterkante. Schäden schließen Sie sofort. Eine offene Stelle nutzt das Wild innerhalb weniger Tage. Gerissene Drähte reparieren Sie mit einer Ringzange, die einen Drahtring um die losen Enden legt. Wovon die Haltbarkeit eines Wildzauns abhängt, haben wir gesondert zusammengefasst.
Die wichtigsten Schritte auf einen Blick
- Trasse abstecken, Richtschnur spannen, Türposition festlegen
- Reihenfolge einhalten, egal ob Sie im Garten oder im Forst aufbauen
- Zaunhöhe nach Tierart wählen, Material und Pfostenzahl berechnen
- Z-Profile mindestens 50 cm tief und lotrecht einschlagen, immer mit Einschlagschutz
- Ecken, Anfang und Ende abstreben, auf Geraden alle 30 bis 50 Meter
- Geflecht ausrollen und einhängen, Haken zunächst offen lassen
- Drahtspanner setzen, abwechselnd spannen, Spanndraht einziehen
- Strecke kontrollieren, dann die Haken zudrücken
- Unterkante mit Zaunankern sichern und die Tür einhängen
In dieser Reihenfolge lässt sich ein Wildzaun auch ohne Vorerfahrung aufbauen. Planen Sie für das Spannen die meiste Zeit ein. Daran entscheidet sich, ob der Zaun in fünf Jahren noch straff steht.